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Im Fluss

Der Ausstellungstitel „Im Fluss“ ist im wörtlichen und übertragenen Sinn gemeint. Zum einen beschreibt „Im Fluss“ den kreativen Schaffensprozess an sich. Künstlerische Arbeit entwickelt sich immer fließend. Im Fluss oder im „Flow“ zu sein ist ein erwünschter Idealzustand des selbstvergessenen Arbeitens. Zum anderen beschreibt der Titel auch ein wiederkehrendes Thema in den Werken der sechs Künstlerinnen. So beschäftigen sich alle im Kulturpalast ausgestellten Bilder, egal ob Gemälde, Collagen oder Fotografien, auf irgendeine Weise mit dem Thema Wasser und Fließen.

Katrin Müllers Serie „gesammelt + aufgenäht“ ist in einem intensiven kreativen Prozess entstanden. Das Gefühl, „im Fluss“ zu sein und sich ganz auf die kreative Energie verlassen zu können, hat sie beim Zusammenstellen der Collagen getragen. Im Kulturpalast zeigt sie den zweiten Teil ihrer ursprünglich für die Kunstwoche Jesteburg 2006 entstandenen Serie, die acht Bilder mit Titeln wie „Idealgewicht 4x50g“ oder „Kirschkompott“ umfasst. Alltägliche Objekte wie Kassenbons, Tee- und Obsttüten, Kochrezepte, Servietten und Bonbonpapier hat sie aufgenäht und neu arrangiert. Gleich drei Ebenen fließen in Maria Jakeschs vielschichtigen Arbeiten zusammen. Sie sprengt die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei, indem sie Fotos, Gemälde und digital bearbeitete Fotos übereinander lagert. Die Schichten fließen ineinander, etwas neues Ganzes entsteht.

Für Annette Akkiparambath ist Wasser ein Symbol für Lebendigkeit und Bewegung. So wie sich Wasser in Flüssen sammelt, dem Meer zustrebt und zum Himmel aufsteigt, um irgendwann wieder als Regen auf die Erde zu fallen, so ist auch der Fluss des Lebens ein ewiges Auf und Ab. Ein roter Regenschirm symbolisiert in ihrem Bild „Empfindliches Gleichgewicht“ die ständige Balance zwischen den alltäglichen Ups und Downs. Die Lebendigkeit einer Bewegung im Fluss fängt sie in ihrem dynamischen Gemälde „Rote Pferde an einem Wintertag“ ein.

Marianne Klotz nähert sich auf analytische Weise dem Thema. Ihr Bild „Komplement“ erkundet die Eigenschaften von Wasser. Hat es eine Farbe? Natürlich nicht, es spiegelt nur, es fließt, es löst auf, vermischt und verdünnt. Und Wasser zieht an. In dem Bild „Wasserschnecke“ wird ein Mensch unter Wasser gleichsam angesogen von einem schneckenförmigen Gebilde. Die Farben des Wassers faszinieren auch Karin Liebe. In ihrer Fotoserie „Wasserfarben“ vereinen sich das Blau des Himmels, das Rot eines Bootes und Grautöne von Wolken im Spiel der Wellen und der Sonnenstrahlen zu einer abstrakt anmutenden, sich ständig verändernden Farbkomposition. Den explosiven Moment des Eintauchens hat Karin Liebe in der Fotoarbeit „Wildwasser“ eingefangen. Wasser steht hier nicht für den gemächlichen Fluss des Lebens, sondern für radikale Veränderung. Die Ruhe auf dem größtenteils monochromen Foto ist trügerisch, ein Mensch wird sich das stille Wasser gleich vollständig aneignen und durcheinanderwirbeln. Auch in Eva Peters’ Arbeiten sind Menschen die Hauptakteure. In ihrer dreiteiligen Serie von Frauenporträts wirken die dargestellten Personen transparent und flüchtig wie Wasser. Auch der Malprozess selbst, bei dem Eva Peters teils mit viel Wasser Acrylfarbe aufträgt, ist ein fließender und zügiger Vorgang. Details und Wiedererkennungseffekte spielen dabei keine Rolle.