"Gewachsenes“
heißt die Ausstellung der Gruppe 7wege,
die im Museum Altes Land vom 3. bis 25. September 2011 in Jork präsentiert
wird. Und was wächst im Alten Land? Vor allem Äpfel. So lag
es nahe, dass sich die Künstlerinnen auf das vielschichtige Thema
„Apfel“ konzentriert haben. Aspekte wie Mythologie und Religion,
Apfelsorten und Apfelbäume, Ästhetik und Vermarktung greifen
die vier Hamburger Künstlerinnen Annette Akkiparambath, Karin Liebe,
Katrin Müller und Eva Peters in ihren Gemälden, Fotoarbeiten
und Installationen auf. Sie zeigen auf teils humorvolle, teils melancholische
Weise, welch große Bedeutung der Apfel für den Menschen hatte
und immer noch hat. Aber auch anderes, eher unkontrolliertes Wachstum
in der Natur findet Eingang in die Ausstellung: So werden Pflanzen und
andere natürliche Materialien wie Schnee, Eis und Sand in ihrer
Tendenz des „Zuwachsens“ sowie des Verfalls beobachtet.
Und der Entstehungsprozess von Kunst selbst wird unter die Lupe genommen:
Wie „wächst“ ein Kunstwerk heran? Dabei ist die Gruppe
7wege selbst Ausdruck von etwas „Gewachsenem“. Vor zehn
Jahren haben sich die Künstlerinnen zum Austausch und für
gemeinsame Ausstellungen zusammengeschlossen. Diese Ausstellung ist
ihre neunte gemeinsame Schau.
Katrin
Müller zeigt ihre Arbeiten in drei Tischvitrinen und einer
mehrteiligen Fotoserie. In der Installation „Vitrine Eins“
finden sich diverse Objekte und Abbildungen von Gemälden, die den
Apfel in seiner Bedeutung für die Menschheit seit Adam und Eva
zeigen. In Religion, Mythologie, Märchen und Sagen, Gesunderhaltung
und Alltag spielte der Apfel immer eine wichtige Rolle. Die kleinformatigen
Bilder der „Vitrine Zwei“ beziehen sich auf die Themen der
Installation „Vitrine Eins". Abbildungen von Gemälden
erfahren humorvolle, vieldeutige Umgestaltungen durch die Techniken
Collage, Scherenschnitt und das Bedrucken mit Apfelstücken. In
einer dritten Vitrine wird ein Teil der Arbeit „Körperblüten“
im aufgeschlagenen Journalbuch gezeigt. Die kleinen Scherenschnitte
sind aus eigenen Schattenbildern entstanden und lassen an sich öffnende
Blüten denken – vielleicht Apfelblüten. Die Fotoserie
„Apfelschönheiten“ zeigt die individuelle, natürliche
Schönheit einzelner Äpfel der Sorten Jonagold, Red Prince
und Jonagored. Diese langgestreckten, aus einzelnen Fotos zusammengesetzten
Portraits präsentieren einen Ausschnitt der großen Vielfalt
an Apfelcharakteren.
Themen von Annette Akkiparambaths 3-teiliger Arbeit
„Zyklen“ ist Gewachsenes, erstes Sprießen aus der
Erde, Blüten, Früchte, die im Herbst zur Erde fallen, verrotten,
der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen. Der Apfelbaum in ihren
Arbeiten „Paradies I und II“ dann als Synonym für die
Vertreibung aus dem Paradies. Verbotene Früchte, gewachsen am Baum
der Erkenntnis, die bange Frage, ob jetzt, nachdem davon gegessen, nun
alles verloren ist oder das Leben doch schon irgendwie weitergeht? Und
was war eigentlich zuerst: der Apfelkern oder der Baum im Paradies?
Annette Akkiparambaths vier kleinformatige Arbeiten, gemalt in Mischtechnik
mit Moorlauge, Farbpigmenten, Sand und Zeitungspapier, zeigen Pflanzen
– gewachsen in unterschiedlichen Umgebungen, im Wasser, vor der
Skyline einer Stadt, in dürrrer trockener Erde, im Wald. In der
Vitrine präsentiert Annette Akkiparambath das Gewachsene ihrer
Arbeiten, erst nur eine Idee, dann eine Skizze, Fotos, erste Entwürfe
in Farbe, dann das Bild und Apfelschalen, dem Prozess ihres Verrottens
durch Trocknung entgegengewirkt, wurden von ihr zu etwas Neuem umfunktioniert,
Runen, alte Schriftzeichen, die nun ihre eigene Geschichte erzählen,
die man aber möglicherweise nicht versteht.
Von Karin Liebe sind mehrere Fotoserien zu sehen, die
sich mit dem Wachstum in der Natur beschäftigen. Dabei spielen
Äpfel und Blumen, Schnee und Eis oder Sand die Hauptrolle. Das
unkontrollierte Wachstum, das mit Verfall und Fäulnis, Wucherungen
und Zuwachsen einhergeht, wird teilweise mit vom Menschen kontrolliertem
Wachstum konfrontiert, das in der Vermarktung mündet. So thematisiert
eine Serie den über Wochen beobachteten Verfallsprozess eines ganz
normalen Apfels, der im Freien liegt, eine weitere zeigt Momentaufnahmen
halb verfaulter Äpfel auf einer Streuobstwiese. Auch die Tendenz
von Schnee, Eis und Sand, ihre Umgebung zu verändern, bis sie nahezu
„zugewachsen“ ist, ist Thema von Karin Liebes Fotografien.
Sie sind vom Gedanken getragen, dass die Natur letztlich das vom Menschen
Geschaffene überdauert.
Eva
Peters zeigt die Stimmungen und Situationen
im märchenhaften Garten rosendals, dessen Apfelwiese zu Müßiggang
einlädt, Die hier gezeigten kleinformatigen Arbeiten sind Teil
einer bisher 20-teiligen Serie zu dem Garten in Stockholm, die seit
2007 immer wieder ergänzt wird und weiterwächst. (Vitrine)
Weitere Acrylbilder sind aus der Serie „Baumbilder“: Baumstrukturen
und Formen, die teilweise abstrahiert wirken und teilweise figurative
Formen entwickelt haben. In der unter dem Titel „Baum verkehrt“
gemalten Serie hat die Künstlerin Elemente von Apfelbäumen
und den Früchten aufgegriffen und neu wachsen lassen: Blütenfarbiges,
Knorriges, Plantagen. In der Fotoserie „Fruchtstände“
hat sich Eva Peters mit dem Angebot an Obst und Gemüse beschäftigt,
das die Kunden zum Kauf anregen soll und nun zu spielerischer Betrachtungsweise
auf einem Wochenmarkt der besonderen Art einlädt.