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| „Erlesenes“ Ausstellung der Gruppe 7wege im Gutshaus Glinde Der Titel unserer Ausstellung ist gleichzeitig unser Konzept. In „Erlesenes“ geht es um Schrift im weitesten Sinne und damit verbunden auch um das Lesen. Die Buchstabenwelt wird dabei von den fünf Künstlerinnen auf verschiedene Weise thematisiert: entweder als Integration von Textelementen in Bilder, als eigenständiges Objekt oder als fotografisches Abbild. Gemeinsam ist den Arbeiten ein spielerischer Umgang mit der oft so hochgehaltenen Schriftkultur, der hoffentlich neue, überraschende Blickwinkel eröffnet. Annette Akkiparambath versucht in ihren Arbeiten eine Synthese von Text und Bild herzustellen. Sie kombiniert Materialien wie Moorlauge, Sand, Farbpigmente, Kaffeesatz und Zeitungspapier. In Verbindung mit Farben wie Blau und Ocker tauchen Worte auf und verschwinden wieder. Die Bilder scheinen sich zu etwas Bekanntem zu manifestieren. Sie wecken Assoziationen an das Meer oder an verschiedene Zeichen wie Chromosomen oder Runen. Karin Liebe beschäftigt sich in ihrer Fotoserie „Hamburger Schriften“ mit Erlesenem im öffentlichen Raum. Als Schauplatz hat sie ihren Arbeitsweg gewählt. Per Fahrrad, U-Bahn und zu Fuß führt er in 1 ¼ Stunden Gesamtzeit von Rahlstedt über Tonndorf und Farmsen bis nach Harvestehude. Die Fotografin war selbst erstaunt, welche Fülle an Schriftzeichen ihr tagtäglich begegnen. Verkehrs- und Hinweisschilder, Plakatwände, Graffiti, Werbe- und Suchzettel, Klingel- und Firmenschilder, Aufkleber und Plaketten: Die Buchstabenwelt ist überall. Alltägliches und Banales, Behördliches und Beamtendeutsch, Handschriftliches, Verwittertes, Verbeultes trifft auf Hochglanz, Designdruck und Schönschrift. Nahtlos aneinandergereiht und in Augenhöhe aufgehängt, laden die Fotos von ausgewählten Fundstücken zu einem komprimierten Streifzug durch die Schriftkultur auf der Straße ein. Katrin Müller hat das Buch, die Schrift, wie auch schon bei anderen Serien, z. B. den „Buchskulpturen“ und den „Schriftbildern“, als Material benutzt. Die Serie der ausgestellten grafischen Arbeiten trägt den Titel „Nichts als Worte...!?“. Texte aus einem Gedichtband, Theaterstück, Kindersachbuch, Roman, Italienischlernbuch und Informationen über Schweden für Vietnamesen wurden durch die Trennung der Zeilen ihrem vormaligen Sinn beraubt. Die nun voneinander gelösten Sätze und Worte gehen in der losen oder dichten, netzartigen Verstrickung neue Verbindungen ein. Der Betrachter kann eigene Geschichten und Inhalte assoziieren und den Titel des Bildes wiederentdecken. In ihrer außerdem gezeigten Serie Buchskulpuren reiht Katrin Müller gefaltete Seiten, die dazu noch auf dem Kopf stehen, aneinander. Dadurch wird das Buch im herkömmlichen Sinne unlesbar und damit unbrauchbar. Wichtiger als der Inhalt, der geschriebene Text, ist nun die entstandene Form, die Farbe und Beschaffenheit des Papiers und das Schriftbild. Die angeschnittenen Buchstaben summieren sich zu einer textil wirkenden Fläche oder zarten Zeichnung. Eva Peters malt ausschnitthaft Personen in Acryl und setzt mit Moorlauge Akzente und Konturen. Die Darstellungen geben durch die Intensität des Duktus und der Farbe verschiedene Momentaufnahmen wieder. In ihre Gemälde fügt sie Literaturzitate ein, die Teil des Bildes werden und dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich entweder über das Wort oder das Bild dem Dargestellten zu nähern. |